Futro-Thin-Clients und PCI Express Mini Cards

vorhergehende Artikel in: Linux Hardware Basteln
17.05.2026

Ich habe mich von einigen Artikeln anderer Besitzer und Upcycler von Futro-Thin-Clients inspirieren lassen - das hat dazu geführt, dass ich von meinem eigentlichen Projekt (Bauen eines kleinen Clusters) abgekommen bin und die Hardware ein wenig genauer unter die Lupe genommen habe...

Eigentlich wollte ich wieder einmal darüber nachdenken, einen kleinen Cluster aus mehreren Futro-Systemen zu erstellen. Die eigentlichen Hüden dabei sind, dass das ganz schnell ins Geld gehen kann: Dass Speicher in allen Formen und Farben derzeit eigentlich nicht mehr angeschafft werden kann, weil die Preise jeder Vernunft Hohn sprechen muss ich wohl kaum noch extra erwähnen. Die meisten Futro kommen aber ohne Massenspeicher bzw. mit 8Gb mSata Kärtchen, die für erste Tests ja ok sein mögen, aber nicht für ernsthafte Anwendungen. Die Alternative ist ein kleineres Storage System, das die Massenspeicher für alle Futros zur Verfügung stellt - per PXE booten die kleinen Kistchen nämlich völlig unkompliziert. Dafür gilt natürlich dasselbe, was ich weiter oben schon gesagt habe: Wenn mans erst anschaffen muss, dann wird man heutzutage arm. Das wird also nur funktionieren, wenn man ein solches System bereits hat. Und das System der Storage Lösung sollte kein Futro sein: der würde mit den IO-Anforderungen von drei oder vier Clients wohl kaum zurechtkommen - dafür ist er nun doch ein wenig zu schwachbrüstig...

Um das Gehäuse für eine solche Lösung mache ich mir wenn überhaupt erst zum Schluss Gedanken. Nebelhaft schwebt mir da ein kleines Serverschränkchen zur Wandmontage - vierlleicht 6HE und 10 Zoll - vor. Kommt dann natürlich auf die finale Storage Lösung an und ganz wichtig: auf die Lösung des Stromversorgungsproblems.

Ach ja - das Stromversorgungsproblem... Das war ehrlich gesagt der Ausgangspunkt meines Streifzuges durch das Internet. Der einzige Kritikpunkt, den ich an den Futros habe ist ihre etwas aus der Art fallende Stromversorgung: Wer hat schon 20 Volt rumliegen? Wenn man mal ein wenig recherchiert, findet man Angaben, dass die Teile so maximal 25 Watt ziehen. Rechnet man das um, so verbleibt bei der Eingangsseite eines Netzteils von 220V noch knappe 120mA als Strom übrig. Vernachlässigt man reale Physik mit Verlusten und ähnlichem, dann würde das auf der Ausgangsseite des Netzteils mit 20V Spannung bedeuten, dass maximal 1.25A fließen. Rechnet man das jetzt mal 4 Verbraucher (wenn wir von einem Cluster mit - eventuell später - 4 Nodes ausgehen), so ergibt sich, dass ein Netzteil von 20V Ausgangsspannung und 7,5A Ausgangsstrom reichen sollte (ich habe hier immer noch eine kleine Sicherheitsmarge von 50% eingebaut).

Will man die Kistchen also mit Strom versorgen, könnte man dazu ein handelsübliches Laptop-Netzteil verwenden - mit diesen Leistungsdaten gibt es Angebote zu Hauf. Ich wollte es aber gerne etwas eleganter lösen und versuchte daher, einen PoE-Splitter zu finden, der mir die 20V zusammen mit 1,5A und 1000MBit liefern würde. Der Preis für so etwas ist allerdings dermaßen hoch, dass ich von dieser Idee sofort wieder Abstand nahm - für 4 Nodes wäre man da insgesamt mit einem viertel Tausender dabei - inakzeptabel! Interessanterweise sind auch Einbaunetzteile nicht wesentlich günstiger asl die Laptopvariante. diese hat halt das Problem, dass man sich einen Adapter bauen muss, der aus dem einen Ausgang 4 zaubert.

Während dieser ganzen Überlegungen las ich wie gesagt viele Erfahrungsberichte und es fielen mir zwei Sachen auf. Das heißt - eigentlich nur eine, die andere kam mir erst so richtig in den Sinn, als ich eine meiner Kistchen öffnete, um einen genaueren Blick auf die Hardware zu werfen: Die Futros verfügen über einen mini PCIe Steckplatz. Da bei mir auf dem Schrank noch ein alter ausgedienter Laptop steht, überlegte ich mir, dessen Wlan-Karte zu transplantieren. Was mich hinderte, diesen kühnen Plan auszuführen war die Tatsache, dass das mit den Antennen schwierig geworden wäre. Und während ich also über dem aufgeschraubten Kistchen sinnierte fiel mir auf, dass ich zumindestens eins besitze, in dem ein TPM steckt. Interessant und evtl. eine Idee für ein Folgeprojekt - aber ich schweife ab! Ich erinnerte mich nämlich auch daran, dass ich eine mini PCIe Karte besitze, die momentan ihr Dasein in der Grabbelkiste fristen muss. Es handelt sich dabei um einen Ethernetadapter mit abgesetztem Slotblech. Die folgenden Bilder zeigen den Einbau, den sehr rustikalen Zustand mit geschlossenem Gehäuse und die Antwort von ip a - dort sieht man, dass tatsächlich beide Ethernetadapter vom Kernel erkannt wurden und auch beide eine IP-Adresse zugewiesen bekamen. Was man nicht sieht, aber der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt bleiben soll ist, dass das Kistchen auch mit dem neuen Adapter problemlos über PXE bootet!

Screenshot Einbau der Ethernet-Karte in den mimi PCIe Slot

Screenshot Geschlossenes Gehäuse mit herausgeführtem RJ45-Connector

Screenshot Die neue Schnittstelle wurde erkannt und bekam eine IP-Adresse zugewiesen

Alle Artikel rss Wochenübersicht Monatsübersicht Codeberg Repositories Mastodon Über mich home xmpp


Vor 5 Jahren hier im Blog

  • Demonstration und Beispiele für die Nutzung eines RFC3161-Servers aus Java heraus

    15.05.2021

    Ich habe ein Begleitprojekt zu meiner Implementierung meines Timestamping Server Projekts erstellt: eine Demonstration und ein Beispiel dafür, wie man einen solchen Timestamping-Server von Java aus nutzen kann.

    Weiterlesen

Neueste Artikel

  • Asymmetrische Kryptographie

    Ich habe mich mit der Idee schon länger getragen: Nochmal einen Rundumschlag zu asymmetrischer Kryptographie zu machen. Dabei werde ich mich auf Demonstrationen der einzelnen Konzepte und Operationen mit Beispielcode konzentrieren und zu jedem der vorgestellten Konzepte mehr oder weniger ausführlich bezüglich der Einsatzszenarien und Vor- und Nachteile Stellung beziehen

    Weiterlesen
  • Absichern von Truststores und Keystores

    Hin und wieder erlebe ich es persönlich oder lese davon, dass jemand die Frage stellt, wie kryptographische Geheimnisse gesichert werden können. Ich gebe hier mal einen Anstoß, darüber aus der Sicht der Software-Architektur auf Systemebene nachzudenken...

    Weiterlesen
  • Barbarossa - Stones

    Etwas älteres...

    Weiterlesen

Manche nennen es Blog, manche Web-Seite - ich schreibe hier hin und wieder über meine Erlebnisse, Rückschläge und Erleuchtungen bei meinen Hobbies.

Wer daran teilhaben und eventuell sogar davon profitieren möchte, muss damit leben, daß ich hin und wieder kleine Ausflüge in Bereiche mache, die nichts mit IT, Administration oder Softwareentwicklung zu tun haben.

Ich wünsche allen Lesern viel Spaß und hin und wieder einen kleinen AHA!-Effekt...

PS: Meine öffentlichen Codeberg-Repositories findet man hier.