Ich habe hier immer mal wieder über das Spannungsfeld zwischen Syntactic Sugar und sinnvollen Spracherweiterungen ganz speziell mit Blick auf Java ausgelassen - neulich hatte ich eine weitere Frage, die sich nur im Experiment klären ließ...
Die Frage stellte sich mir, als ich von einer Tätigkeit, die ich zum Erwerb der Kuchenzutaten ausüben muss zu einer anderen übergegangen bin: Beide Projekte benutzen Objekt-Factory-Klassen, wobei die eine so umgesetzt war, dass aus der Factory zurückgegebene Objekte erst gecastet werden mussten:
GenericsVsCasting1 obj = (GenericsVsCasting1)createObject(cls[rand.nextInt(3)].getSimpleName());
während beim anderen Projekt die entsprechenden Factory-Methoden generifiziert waren und immer den korrekten Typ zurückgaben:
GenericsVsCasting1 obj = createGObject(cls[rand.nextInt(3)].getSimpleName());
Die Frage, die sich mir nun stellte war: Es ist sicher, dass es für den Entwickler, der die Methoden benutzt sicher angenehmer ist, die zweite Art zu benutzen - abgesehen davcon, dass der Quelltext nicht mir hunderten unnötigeer Casts verunreinigt wird. Aber gibt es eventuell auch handfeste Performancevorteile?
Die Antwort überraschte mich über alle Maßen: Die generische Methode, deren Rückgabewert man nicht casten muss war performanter als die althergebrachte - ich gebe hier als Beispiel Messwerte an, in denen ich jeweils 10.000.000 mal Objekte einer aus drei zur Verfügung stehenden Klassen instantiiert habe und anschließend eine Methode an den zurückgegebenen Instanzen aufrief um etwaige Optimierungen des Compilers bzw. der JVM zu verhindern:
generics 00:00:01.261459
casting 00:00:01.257609
Der Unterschied ist zugegebenermaßen gering - aber dennoch über mehrere Tests persistent und so groß, dass ich mich entschied, mir den generierten Bytecode für beide Varianten im Detail anzusehen, denn naiv müsste das derselbe sein - der Cast befindet sich einfach an anderer Stelle - richtig?
Zunächst der ByteCode der beiden Aufrufe, beginnend mit dem expliztiten Cast und gefolgt von der Variante mit dem Aufruf der generifizierten Factory-Methode:
0: getstatic #3 // Field cls:[Ljava/lang/Class;
3: getstatic #4 // Field rand:Ljava/util/Random;
6: iconst_3
7: invokevirtual #5 // Method java/util/Random.nextInt:(I)I
10: aaload
11: invokevirtual #6 // Method java/lang/Class.getSimpleName:()Ljava/lang/String;
14: invokestatic #7 // Method createObject:(Ljava/lang/String;)Ljava/lang/Object;
17: checkcast #8 // class de/elbosso/scratch/misc/GenericsVsCasting1
20: astore_1
21: getstatic #3 // Field cls:[Ljava/lang/Class;
24: getstatic #4 // Field rand:Ljava/util/Random;
27: iconst_3
28: invokevirtual #5 // Method java/util/Random.nextInt:(I)I
31: aaload
32: invokevirtual #6 // Method java/lang/Class.getSimpleName:()Ljava/lang/String;
35: invokestatic #9 // Method createGObject:(Ljava/lang/String;)Lde/elbosso/scratch/misc/GenericsVsCasting1;
38: astore_2
Man sieht hier zunächst die naive Ansicht bestätigt: Der Aufruf mit Cast benötigt eine Byte-Code-Instruktion mehr: checkcast - dann muss der Grund für die schlechtere Performanz der Variante mit Generics in den eigentlichen Factory-Methoden liegen? Schauen wir uns zunächst die Variante ohne Generics an:
private static java.lang.Object createObject(java.lang.String) throws java.lang.InstantiationException, java.lang.IllegalAccessException;
Code:
0: getstatic #10 // Field map1:Ljava/util/Map;
3: aload_0
4: invokeinterface #11, 2 // InterfaceMethod java/util/Map.get:(Ljava/lang/Object;)Ljava/lang/Object;
9: checkcast #12 // class java/lang/Class
12: invokevirtual #13 // Method java/lang/Class.newInstance:()Ljava/lang/Object;
15: areturn
Keine wirkliche Überraschung hier - sehen wir uns also die generische Factory-Methode als ByteCode an:
private static <T extends de.elbosso.scratch.misc.GenericsVsCasting1> T createGObject(java.lang.String) throws java.lang.InstantiationException, java.lang.IllegalAccessException;
Code:
0: getstatic #10 // Field map1:Ljava/util/Map;
3: aload_0
4: invokeinterface #11, 2 // InterfaceMethod java/util/Map.get:(Ljava/lang/Object;)Ljava/lang/Object;
9: checkcast #12 // class java/lang/Class
12: invokevirtual #13 // Method java/lang/Class.newInstance:()Ljava/lang/Object;
15: checkcast #8 // class de/elbosso/scratch/misc/GenericsVsCasting1
18: areturn
Das ist unbefriedigend - die Instruktion checkcast ist wie vermutet einfach in die Factory-Methode gerutscht. Woher die schlechtere Performanz der generischen Factory-Methode rührt bleibt also vorerst einmal ein Geheimnis. Ich würde mich aber über Feedback Interesierter freuen - vielleicht liegt es ja auch an der verwendeten JVM oder dem unterliegenden Betriebssystem?
26.03.2022
Ich bin neulich über einen Artikel gestolpert der erklärte, wie man in Programmen die Werte zweier Variablen vertauschen kann, ohne dazu eine extra Variable zur Zwischenspeicherung zu benötigen.
Ticketsysteme sind lebende Wesen
29.03.2020
Hier zunächst wieder eine Triggerwarnung: Dieser Artikel wird meine Meinung abbilden. es kann sein, dass sie dem einen oder anderen nicht gefällt - das ist mir aber egal. Und wenn hier irgendwelche Schneeflocken mitlesen, dann sind die selber schuld.
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WeiterlesenManche nennen es Blog, manche Web-Seite - ich schreibe hier hin und wieder über meine Erlebnisse, Rückschläge und Erleuchtungen bei meinen Hobbies.
Wer daran teilhaben und eventuell sogar davon profitieren möchte, muss damit leben, daß ich hin und wieder kleine Ausflüge in Bereiche mache, die nichts mit IT, Administration oder Softwareentwicklung zu tun haben.
Ich wünsche allen Lesern viel Spaß und hin und wieder einen kleinen AHA!-Effekt...
PS: Meine öffentlichen Codeberg-Repositories findet man hier.